Umsonst gestorben für die Demokratie?

„Die Soldaten waren gestorben, weil sie Afghanistan zu einem Land ohne Terror und Angst machen wollten“, sagte Merkel. Und: „Die Erinnerungen bleiben“ , sagte Merkel.

Mit den Erinnerungen werden die Angehörigen allein bleiben.

Es sind auch Menschen gestorben, weil sie sich die DDR als Land ohne Terror und Angst wünschten. Hier fand sich kein Bundeskanzler zur Trauerrede ein. Nur der damalige Bundesratspräsident Platzeck fühlte sich betroffen. Er verlängerte seine Moskaureise für eine Gedenkfeier. Hier blieben  die Angehörigen mit den Erinnerungen allein. Und weil Staat einen solchen Verlust ohnehin nicht wiedergutmachen kann, streicht er gleich das Gedenken.

In Deutschland existiert eine Gedenkstätte Deutscher Widerstand 1933 bis 1945. Es soll ein Freiheits- und Einheitsdenkmal vor dem ehemaligen Schloss in Berlin errichtet werden. Wo aber können wir derer gedenken, die nach 1945 in Deutschland aus ihren Familien gerissen wurden und für immer verschwanden? Neueste Forschungen belegen- es waren mehr als 2000 gefolterte Menschen, die nach Moskau geschafft und dort zu Tode gebracht wurden. Sie wurden zuvor in Deutschland in heimlichen Gerichtsverfahren zum Tode verurteilt oder sind an den Folgen der Misshandlungen schon in der Haft verstorben. Ihnen wurde vorgeworfen, gegen das Terrorregime von Stalin zu sein. Einige haben sich aktiv gegen den Kommunismus eingesetzt- wollten die DDR- Bevölkerung aufklären oder aufrütteln. Sie haben ein F – wie Freiheit an Wände gemalt oder sich z.B. mit der Verteilung von Broschüren für eine Demokratie in ganz Deutschland eingesetzt. So, wie sie heute bei uns herrscht- und haben ihr Leben dafür gelassen. Darunter auch  Journalisten, Kommunalpolitiker aller heute noch existierenden Volksparteien, Lehrer, Schüler, Studenten- sogar Hausfrauen, Künstler, Rentner – Menschen wie Sie und ich.

In Moskau steht ein Massengrab auf dem Donskoj- Friedhof. Das haben Russen gebaut. Um die Errichtung eines deutschen Gedenksteines dort gab es in Berlin lange und ermüdende Diskussionen. Geld wurde von der Bundesregierung dafür nicht zur Verfügung gestellt. Nur ein Kranz zur Einweihung zur Wahrung des äußeren Scheins. Und das für Menschen, die für unsere Demokratie GESTORBEN sind. Für diese Menschen hätte zuerst ein Denkmal errichtet werden müssen, bevor sich die Reformbewegung der DDR auf einen Sockel hebt. Wenn schon die vielen Angehörigen, die nichts haben, wo sie wenigstens einmal im Jahr Blumen niederlegen können, sollte doch auf dem Donskoj- Friedhof zum Volkstrauertag ein frischer Kranz  der Regierung liegen. Ist das bisher geschehen? Höchstwahrscheinlich nicht. Die Kassen sind doch knapp.  Wie immer, wenn es um Opfer von Staatsterrorismus geht. Und dafür ein Denkmal in Deutschland? Das brauchen wir doch nicht, wir haben doch schon so viele andere.

Die Moral, die dahintersteckt ist: Es lohnt sich nicht, sich für die Demokratie einzusetzen. Es wird dir nicht gedankt. Wer dafür leidet, ist dumm. Schau weg und falle nicht auf- so kommst du am besten über die Runden. Und   Soldaten, die zu zweifelhaften und schlecht vorbereiteten Missionen, womöglich unter unzureichenden Sicherheitsbedingungen gesandt werden, müssen sich fragen, was sie wirklich  verteidigen.

Merkel sagte auch noch bei anderer Gelegenheit*: Wir brauchen “ Wahrheit und Klarheit über alles, was passiert ist!“

* Am 17.03.2010 anlässlich der Haushaltsdebatte 2010 bezüglich Kindesmissbrauch.  Aber das ist wieder ein anderes Thema.

Über Sammy

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